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Ausstellung erinnert an stille Heldinnen

„Vorbilder, die zur Entwicklung der Demokratie maßgeblich beigetragen haben, gibt es auch in unserer Stadt“, sagten Claudia Povel und Emine Gündüz bei der Eröffnung ihrer Ausstellung „Meilenstein der lokalen Demokratie“ am heutigen Mittwoch (8. Mai) in der Geschäftsstelle des SkF, Kemnastraße 7. Diese Vorbilder seien heute jedoch in Vergessenheit geraten. An drei dieser „stillen Heldinnen“ erinnert die Ausstellung – genau 70 Jahre, nachdem das deutsche Grundgesetz beschlossen wurde.

„Es gibt auch in Recklinghausen lokale Heldinnen, die in der Vergangenheit eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Demokratie gespielt haben. Das wollen wir ins Bewusstsein der Menschen holen“, erklärte Claudia Povel, Ehrenamtskoordinatorin im Migrationsbereich beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Recklinghausen. Gemeinsam mit Emine Gündüz, die im Migrationsbereich ehrenamtlich aktiv ist, hat sie die Ausstellung zusammengestellt. Es ist ihre gemeinsame Abschlussarbeit für die Qualifizierung zur Demokratie-Förderin. Dazu haben sie die Lebensgeschichten von drei Persönlichkeiten recherchiert, die die Demokratie in Deutschland mitgestaltet haben. „Es ist heute vielen nicht bewusst, was für ein Engagement es braucht, um Freiheit und Frieden zu erreichen“, sagte Claudia Povel. Während der Qualifizierung habe sie festgestellt: „Demokratie muss gelebt und erkämpft werden und darf nicht von Populisten und rechten Parteien infrage gestellt werden.“

Helene Weber (1881-1962) hat am Deutschen Grundgesetz mitgeschrieben. Sie gilt als eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“. Emine Gündüz betonte die Bedeutung Helene Webers: „Sie hat den Satz ,Männer und Frauen sind gleichberechtigt‘ mit erkämpft“, sagte Emine Gündüz. Helene Weber engagierte sich früh für das Frauenwahlrecht und wurde danach selbst Parlamentarierin. Sie war verwurzelt in der katholischen Frauenbewegung und einer ihrer prominentesten Protagonistinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie starb mit 81 Jahre in Bonn und wurde in der Familiengruft auf dem Nordfriedhof in Recklinghausen beigesetzt.

Inge Donnepp (1918-2002) war die erste Frau an der Spitze eines Justizministeriums, 1978 hatte sie das Amt in NRW übernommen. Die SPD-Politikerin stritt für Reformen im Familienrecht und eine Neufassung des Abtreibungsparagrafen. Sie setzte sich vehement für eine bessere Ausbildung von Frauen ein und rief die aufsehenerregende Kampagne „Mädchen Mut machen“ ins Leben. „Sie war die Mutter Courage des Ruhrgebiets und kämpfte für die Gleichberechtigung“, sagte Claudia Povel.

Dritte „stille Heldin“ in der Ausstellung ist Ottilie Küchenhoff (1887-1971). Sie gehörte mit Helene Weber zur ersten Generation der Studentinnen in Deutschland. Als Studiendirektorin weigerte sie sich, Hakenkreuzfahnen auf dem Schuldach zu hissen und wurde ihres Amtes enthoben. 1934 wurde sie an das Oberlyzeum in Recklinghausen versetzt. 1946 übernahm sie die Schulleitung des Mädchengymnasiums, dem heutigen Marie-Curie-Gymnasium.

Claudia Povel fasste zusammen: „Durch ihre Aktivitäten haben Helene Weber, Inge Donnepp und Ottilie Küchenhoff Recklinghausen zum Teil der Demokratiegeschichte gemacht. Umso wichtiger ist es, dass wir als SkF die Werte, für die die drei Frauen lange gekämpft haben, weiterzutragen und zu thematisieren.“

Die Ausstellung ist bis Freitag, 24. Mai, auf dem Flur der SkF-Geschäftsstelle, Kemnastraße 7, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellungseröffnung fand 70 Jahre nach einem historischen Datum statt: Am 8. Mai 1949 verabschiedete der Parlamentarische Rat in dritter Lesung das Grundgesetz der „Bundesrepublik Deutschland“. Kurz vor Mitternacht verkündete der Präsident des Parlamentarischen Rates, Konrad Adenauer: „Das Grundgesetz ist mit 53 Ja-Stimmen gegen zwölf Nein-Stimmen angenommen worden.“

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