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Hilfe für Angehörige: Psychische Erkrankungen sind keine Kleinigkeit

Depressionen bekommen nur Frauen. Borderliner ritzen sich, um Aufmerksamkeit zu erhalten. In einem Vortrag am Dienstag, 10. Dezember, räumt der SkF Recklinghausen mit weitverbreiteten Vorurteilen über psychisch erkrankte Menschen auf.

Der ist doch nur faul. Oder: Das ist allenfalls eine kurze Lebenskrise. Immer wieder werden Depressionen mit Ausflüchten wie diesen leichtfertig abgetan. Moritz Reinhardt vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Recklinghausen warnt: „Depression ist eine Erkrankung, nur eben eine psychische“. Aussitzen sei kein probates Mittel. Das wissen Angehörige, die sich um ein erkranktes Familienmitglied bemühen - und damit jede Menge zu tun haben. Für sie hat der SkF ein besonderes Entlastungsangebot eingerichtet.

Zu diesen Hilfen für Angehörige von psychisch erkrankten Menschen gehören das monatlich stattfindende Frühstückscafé, der Stammtisch einmal im Monat nachmittags und die offene Sprechstunde, zu der jeder ohne Anmeldung vorbeikommen kann. Es gibt zudem regelmäßig Vorträge von Experten, die sich besonders gut mit psychischen Erkrankungen und ihren Auswirkungen auf Dritte auskennen. Schließlich sind nach Absprache auch Einzelberatungen möglich. Alle Veranstaltungen sind für Angehörige kostenlos. Sie finden in den SkF-Räumen des „Begegnung im Bäumchen“ an der Kemnastraße 17 (nähe Hittorf-Gymnasium) statt.

„Viele Angehörige sind auf sich allein gestellt“, weiß Julia Hentzel, Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin beim SkF. Mit ihrem Kollegen Moritz Reinhardt organisiert sie das umfassende Programm. Die Betroffenen haben sich mit Fragen zu beschäftigen, auf die sie so leicht keine Antwort finden: Welche Kliniken können helfen? Wo sind die Therapeuten besonders gut? Welche Träger bieten betreutes Wohnen an? Wo beantrage ich Grundsicherung für jemanden, der selbst dazu nicht in der Lage ist? Im Frühstückscafé und beim Stammtisch können diese Fragen gestellt werden – ungezwungen, unter Gleich-Betroffenen. „Jeder macht seine Erfahrungen und kann davon berichten, welcher Weg hilfreich war“, sagt Reinhardt.

Ausgetauscht werden aber auch Tipps, wie Angehörige ihre Akkus mal wieder aufladen können. Auszeiten von der steten Sorge um einen nahen Menschen sind dringend notwendig. „Dabei muss am Ende natürlich jeder für sich gucken, was einem guttut“, kann Julia Hentzel kein allgemeingültiges Rezept empfehlen. Das ist bei den Hilfs- und Therapieangeboten für die psychisch Erkrankten sogar noch schwieriger. Schließlich fallen psychische Erkrankungen höchst unterschiedlich aus - von Borderline-Störung bis zur Schizophrenie. „Für jeden Erkrankten gibt es da einen anderen Weg und wir unterstützen Angehörige dabei, diesen Weg zu finden und zu beschreiten“, fasst die Sozialarbeiterin das Angebot des SkF zusammen.

Dabei wollen die Fachleute auch mit weitverbreiteten Vorurteilen über psychische Erkrankungen aufräumen. Es stimme halt nicht, dass Depressionen nur Frauen treffen, und Borderliner nur ritzen, um Aufmerksamkeit zu erhalten. In einem Vortrag am Dienstag, 10. Dezember, um 17 Uhr erklären Julia Hentzel und Moritz Reinhard, was tatsächlich dahinterstecken kann und welche Stigmatisierungen und Vereinfachungen es sonst noch gibt.

Für einen weiteren Vortag im neuen Jahr am Montag, 27. Januar, 18 Uhr, hat bereits ein ausgewiesener Experte sein Kommen zugesagt. Andreas Wolff, leitender Oberarzt der LWL-Klinik Herten, erläutert dann das Krankheitsbild der „Depression“.

Info:
-Alle Veranstaltungen sind kostenlos und finden im „Begegnung im Bäumchen“, Kemnastraße 17, statt.
- Anmeldung zum Vortrag „Stigmatisierung/ Vorurteile“ bis 6. Dezember unter Tel. 02361/ 485980.
- Hier gibt es alle Termine und weitere Infos zur Hilfe für Angehörige psychisch erkrankter Menschen.

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Die Sozialarbeiter und Sozialpädagogen Julia Hentzel und Moritz Reinhardt begleiten die Gruppentreffen für Angehörige von psychisch erkrankten Menschen und bieten auch eine offene Sprechstunde und bei Bedarf Einzelberatungen an. Foto: Michael Richter/ SkF Recklinghausen.